China Zhangjiajie Reisebericht Erfahrung-02016

Zeit ist relativ. Das wissen wir spätestens seit Einsteins berühmter Theorie. Aber verstehen wir es auch, erleben wir es auch? 

Seit gut zwei Wochen sind wir (erst) unterwegs und es fühlt sich erstaunlicherweise völlig normal an. Normal nicht im Sinne von langweilig, vertraut oder sogar gewöhnlich. Sondern wie passend und richtig. 

Patrick und ich haben vor ein paar Tagen lange darüber gesprochen. Was wäre, wenn unsere China-Reise nur ein Sommerurlaub wäre. Wenn wir jetzt abreisen müssten. Wenn wir zurückkehren würden nach Berlin und in unsere Jobs? Wir würden vermutlich sagen: „Schade, dass unser Urlaub schon vorbei ist. Zwei Wochen sind viel zu kurz. Wir wären gern länger geblieben. Wir haben so viel gesehen und unternommen, wir bräuchten jetzt eigentlich Urlaub vom Urlaub. Wie schön wäre es noch ein, zwei Tage frei zu haben bevor es zurück in den Alltag geht.“

Doch was sage ich stattdessen:“Krass –  es sind erst zwei Wochen um. Es kommt mir so vor, als würden wir schon viel länger reisen.“

Es kommt mir so vor, als würden wir schon viel länger reisen.

China Zhangjiajie Reisebericht Erfahrung

Und darin liegt das Phänomen, dass ich gerade zu begreifen versuche, was mich unglaublich fasziniert.

Während wir unserem Alltag nachgehen, von Montag bis Freitag unseren 9-to-5-Job machen, das Wochenende herbeisehnen und eigentlich nicht wirklich viel neues passiert, haben wir das Gefühl, dass die Zeit uns aus den Fingern rinnt. Sie vergeht viel zu schnell. Wir schaffen nichts. Die Zeit rast förmlich an uns vorbei.


Jetzt, wo wir jeden Tag neue Dinge erleben, neues sehen, neues riechen, neues schmecken, neues entdecken, haben wir das Gefühl, als verginge die Zeit viel langsamer, gefühlt sind wir ihr weit voraus. „Krass – es sind erst zwei Wochen um.“

Ich wage nicht zu behaupten, dass ich die Kunst beherrsche im Hier und Jetzt zu leben.

Woran liegt das? Die naheliegendste Antworte wäre: „Naja, ihr müsst ja auch nicht abreisen, ihr habt ja noch lange Urlaub“. Aber so einfach ist es nicht, denke ich. Lasst uns das gleiche Gedankenspiel nochmal machen. Was wäre, wenn ich in ein paar Tagen zurück nach Berlin müsste, woran würde ich denken? Ich würde natürlich an die Abreise denken, ich würde sagen: „Schade, in zwei Tagen müssen wir schon wieder nach Hause“, ich würde an unsere Wohnung denken, ans Koffer auspacken, Wäsche waschen, den Kühlschrank aufzufüllen, zurück ins Büro zu gehen, zurück in den Alltag. Obwohl ich noch zwei tolle Tage genießen könnte, wäre ich mit meinen Gedanken bereits in der Zukunft, bei Aufgaben, bei Zwängen, bei Verantwortungen, bei Problemen. 

Und woran denke ich jetzt tatsächlich? Wenn ich aufwache denke ich an den vor mir liegenden Tag. Ich denke daran, wie ich die nächsten Stunden verbringen möchte, auf was ich heute Appetit habe, ob ich lieber am Pool liegen und mich entspannen oder nochmal wandern gehen möchte. Ich bin in der Gegenwart und nicht in der Zukunft – und das macht den Unterschied!

Ich wage nicht zu behaupten, dass ich die Kunst beherrsche im Hier und Jetzt zu leben – natürlich denke auch ich hin und wieder an die Zukunft, an das „Was-kommt-danach?“. Aber ohne die Verpflichtungen eines Jobs und eines festen Wohnsitzes gibt es viel weniger Dinge um die ich meine mich sorgen oder kümmern zu müssen. 

Warum versuchen wir also nicht öfter im Hier und Jetzt zu sein und in der Gegenwart zu leben, statt an all das zu denken, was wir nicht geschafft haben, was wir glauben noch tun zu müssen.

Dann vergeht Zeit anders. Dann ist Zeit anders. Dann ist Zeit relativ.

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